Ala Hispanorum Vettonum

Das Militärdiplom des Jahres 122 (CIL 16, 69)
Bleisiegel der Ala Hispanorum Vettonum aus Piercebridge

Die Ala Hispanorum Vettonum [civium Romanorum] (deutsch Ala der Hispanier der Vettonen [der römischen Bürger]) war eine römische Auxiliareinheit. Sie ist durch Militärdiplome und Inschriften belegt. In den Diplomen von 122 bis 178 wird sie als Ala Vettonum Hispanorum bezeichnet, in den meisten Inschriften als Ala Vettonum.

Namensbestandteile

  • Ala: Die Ala war eine Reitereinheit der Auxiliartruppen in der römischen Armee.
  • Hispanorum Vettonum: der Hispanier der Vettonen. Die Soldaten der Ala wurden bei Aufstellung der Einheit aus den verschiedenen Stämmen der Hispanier und insbesondere aus dem Volk der Vettonen auf dem Gebiet der römischen Provinz Hispania ulterior rekrutiert.
  • civium Romanorum: der römischen Bürger. Den Soldaten der Einheit war das römische Bürgerrecht zu einem bestimmten Zeitpunkt verliehen worden. Für Soldaten, die nach diesem Zeitpunkt in die Einheit aufgenommen wurden, galt dies aber nicht. Sie erhielten das römische Bürgerrecht erst mit ihrem ehrenvollen Abschied (Honesta missio) nach 25 Dienstjahren. Der Zusatz kommt in den Militärdiplomen von 103 bis 122 sowie in Inschriften[1] vor.

Da es keine Hinweise auf den Namenszusatz milliaria (1000 Mann) gibt, war die Einheit eine Ala quingenaria. Die Sollstärke der Ala lag demnach bei 480 Mann, bestehend aus 16 Turmae mit jeweils 30 Reitern.

Geschichte

Die Einheit wurde vermutlich unter Augustus, spätestens aber während der Regierungszeit von Tiberius (14–37) aufgestellt. Sie blieb wohl zunächst in Hispanien, bevor sie vermutlich zwischen 22 und 43 nach Germania verlegt wurde. Möglicherweise war die Ala dann Teil der Truppen, die unter Führung von Aulus Plautius um 43 mit der Eroberung Britanniens begannen.[2]

Durch ein Militärdiplom ist die Einheit erstmals 103 in Britannien nachgewiesen. In dem Diplom wird die Ala als Teil der Truppen (siehe Römische Streitkräfte in Britannia) aufgeführt, die in der Provinz stationiert waren. Weitere Diplome, die auf 122 bis 178 datiert sind, belegen die Einheit in derselben Provinz.[3][4][5]

Der letzte sichere Nachweis der Ala beruht auf einer Inschrift,[6] die auf 197/198 datiert ist. Weitere Inschriften sowie ein Bleisiegel aus Piercebridge, auf denen der Truppenname erwähnt werden, lassen sich nicht genauer als in das 3. oder späte 2. Jahrhundert datieren.[7]

Standorte

Standorte der Ala in Britannia waren möglicherweise:

  • Cicutio (Y Gaer): eine Inschrift[8] wurde hier gefunden.
  • Vinovia (Binchester): Inschriften[9] wurden hier gefunden.

Angehörige der Ala

Folgende Angehörige der Ala sind bekannt:[3][2]

Kommandeure

  • [?], ein Präfekt (CIL 8, 23068). Er war auch Präfekt der Ala II Flavia sowie Tribun der Cohors XXXII Voluntariorum.
  • []oniu[s] [R]ufus, ein Präfekt (AE 1992, 1137)
  • Marcus Stlaccius Coranus,[A 1] ein Präfekt

Sonstige

  • Bassus, ein Reiter (AE 1986, 426)
  • Cand[idus], vermutlich ein Reiter (RIB 403)
  • Clemens, vermutlich ein Decurio (RIB 403)
  • Eltaominus, ein ehemaliger Architekt (AE 2014, 805)
  • L(ucius) Vitellius Tancinus, ein Reiter (RIB 159)
  • M(arcus) Aure[lius] []ocomas, ein Medicus (RIB 1028)
  • Matugeno Turaedoqu(m) Longinus, ein Reiter und Sesquiplicarius (CIL 2, 5866)

Siehe auch

Commons: Ala Hispanorum Vettonum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • 1916 ‒ ala Vettonum. Roman Inscriptions of Britain (RIB), abgerufen am 11. März 2018 (englisch). 

Literatur

  • Margaret M. Roxan: The Auxilia of the Roman Army raised in the Iberian Peninsula. Dissertation, 1973 Volume 1 (PDF) Volume 2 (PDF)
  • John E. H. Spaul: Ala². The Auxiliary Cavalry Units of the Pre-Diocletianic Imperial Roman Army. Nectoreca Press, Andover 1994, ISBN 0-9525062-0-3.

Anmerkungen

  1. a b Die Zuordnung zu der Einheit wird vermutet, ist aber nicht gesichert.

Einzelnachweise

  1. Inschriften mit civium Romanorum RIB 159, RIB 1028
  2. a b Margaret M. Roxan, The Auxilia, S. 489–496, 763–764.
  3. a b John E. H. Spaul, Ala², S. 236–237.
  4. Jörg Scheuerbrandt: Exercitus. Aufgaben, Organisation und Befehlsstruktur römischer Armeen während der Kaiserzeit. Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau 2003/2004, S. 157 Tabelle 1 (PDF).
  5. Militärdiplome der Jahre 103 CIL 16, 48, 122 CIL 16, 69, 131 ZPE-174-189 und 178 RMD 3, 184, RMD 4, 293, RMD 4, 294.
  6. Inschrift RIB 730
  7. Eintrag zum Bleisiegel NCL-7DD3F6 aus Piercebridge im Portable Antiquities Scheme.
  8. Inschrift aus Cicutio RIB 403
  9. Inschriften aus Vinovia AE 1992, 1137, RIB 1028, RIB 1029